Die legendäre Reise des H2

Das H2 am Höhepunkt

Für die legendäre zweite Mannschaft von züri west handball, das Herren 2 (H2), ist die Handballsaison jeweils nur der Auftakt zum Saisonhöhepunkt, der jeweils am letzten Juni-Wochenende stattfindet. Sportlich war auch die Saison 2016/17 eher durchzogen. Auf der positiven Seite zu vermerken ist, dass es keine Bussen gab und der Abstieg verhindert werden konnte – für eine 4.-Liga-Mannschaft ein vernünftiges Ziel, finden wir. Eher negativ war, dass wir bei jedem Spiel die bessere Mannschaft waren, – also unser Kult-Trainer Carlo sagt uns das immer – wir aber ausser einem Unentschieden (Sieg wurde uns gestohlen, sagt Carlo) und einem Sieg am grünen Tisch (nein, nicht auf dem wir Jassen) dieses Jahr wenig Stolzes vorzuweisen haben.

Doch das alles ist wie gesagt nur Beigemüse, denn es gilt allein, was eine H2-Reise bringt. Für die Leser/-innen, die das Konzept nicht kennen: Zwei organisieren das Weekend, das Programm ist geheim und alles ist im Pauschalpreis inbegriffen. Da die Zusammensetzung des H2 über die Jahre immer betagter – äh, erfahrener wurde, hat sich jüngst auch der sportliche Aspekt der Reise eher in Richtung Wellness verlagert.

Kaffee & Gipfeli am Start

Auch dieses Jahr war das Bahnhofbüffet im HB ZH – oder wie es künftig heissen wird: Unter den Arkaden – unser Treffpunkt. Das frühe Eintreffen vor 7 Uhr – ältere Herren müssen immer früh aufstehen – war problemlos, wie auch der übliche Morgenkaffee mit (kaufreudigem) Gipfeli. Organisator war Carlo, was bedeutet, dass es dieses Jahr keine Fahrten auf dem Velo geben wird. Sein Assistent Jürgen musste sein Mandat wegen einer Nebensächlichkeit (ich glaube er hat eine Woche darauf geheiratet) etwas vernachlässigen, zeichnete sich aber während der Reise als Personal Trainer von Heinz aus.

Zuerst ging es mit dem Zug nach Erlenbach, aber nicht mit der S-Bahn, sondern zum Pendant im bernischen Simmental. Unser Morgenziel war das Stockhorn auf 2190 m.ü.M. Ohne Sauerstoffzufuhr, da mit der Gondelbahn, wurde der Gipfel gemeinsam, wenn auch nicht in der selben Gondel erreicht. Während sich unsere Mitpassagiere zum Klettern und Bergjoggen bereit machten, steuerten wir direkt ins Restaurant, wo ein reichhaltiges Morgenbüffet auf uns wartete. Angesichts des dicken Nebels war es ein Leichtes, uns auf die feinen lokalen Spezialitäten zu konzentrieren. Mit vollen Mägen war die neunköpfige H2-Gruppe sichtlich zufrieden mit der ersten Etappe. Nachdem wir auch auf der anderen Seite des Tunnels die Stockhorn-Nordwand den stockdichten Neben bewundert hatten, ging es mit der Gondel wieder ins Tal (H2-Mitglieder haben empfindliche Knie). Von dort aus wurde der Regionalzug nach Boltigen genommen. Weiter ging es im klimatisierten Bus über den Jaunpass in den Kanton Fribourg. Kurz nach dem Pass wurde gehalten. Das Tal nach Abländschen, dem Jogne-Fluss entlang, kennt keinen ÖV, deshalb fuhren wir mit zwei Taxis Richtung Gastlosen-Gebirge.

Bei Imker Poschung

Ein Zwischenhalt gab es in der kleinen Küche vom Bauer Poschung, der uns bei Weisswein über sein Leben als Imker berichtete. Als der Wein alle war und jeder sein Riesenglas Honig hatte, wurden die Taxis nochmals bestiegen, um etwas Höhenmeter zu gewinnen. Irgendwo im Grünen war dann Schluss und die Wanderung begann. Dank einer hilfreichen Klimaanlage in Form eines kühlen Berglüftchens schafften alle den Aufstieg zur SAC-Hütte Grubenberg (1840 m) ohne nennenswerte Probleme. Nach dieser Parforce-Leistung hatten wir uns das Zvieri-Plättli auf der Terrasse mehr als verdient. Anschliessend teilte sich die Gruppe; die einen bewunderten das Bergpanorama der Gastlosen vom nahgelegenen Hügel aus, die anderen erfreuten sich am Anblick der Jasskarten.

Verglichen mit früheren H2-Reisen verlief der Abend äusserst gesittet. Trotzdem gelang es uns, den Weinkeller der Hütte an seine Grenzen zu bringen. Die Freude, endlich den besten Rotwein gefunden zu haben, dauerte nicht lang. Zu rasch war das Kontingent an «Sherpa Rouge» aufgebraucht. Im Rückblick war das aber vielleicht gar nicht so schlimm. So ruhig war es noch nie in einem Massenschlag, wie dieses Mal. Zum Essen gab es wie für alle Gäste der voll ausgebuchten Hütte Suppe, Salat, Teigwaren, Gemüse und Würste. Mit Würfeln und Kafi Schnaps ging es dann weiter bis zur Polizeistunde, d.h. bis 23 Uhr.

Das vernünftige Verhalten hatten den Vorteil, dass zum Frühstück alle Teilnehmer wieder menschliche Verhalten an den Tag legen konnten. In der Nacht hatte es heftig geregnet. Pünktlich zum Abmarsch stoppte die Dusche von oben, doch der steile Abstieg zum Mittelberg blieb entsprechend glitschig. Doch auch das schafften wir ohne Verluste, wenn auch zum Teil mit zitternden Knien.

Treffen mit Asiaten

Das Wiedersehen mit unseren zwei bekannten Taxis wurde begrüsst, denn so konnten wir gemütlich sitzend die schöne Fahrt dem Grenzfluss zwischen Fribourg und Waadt entlang nach Gstaad geniessen. Dort glotzten wir die Asiaten im Nostalgiezug Golden Pass Richtung Montreux an, sie glotzten zurück (was werden die zuhause wohl so alles über die Eingeborenen erzählen?).

Per Autobus ging die Reise weiter nach Gsteig. Eine lockere Wanderung nach Innergsteig zur Sanetschbahn bereitete uns auf neue Herausforderungen vor. Die Bahn gibt es eigentlich nur, weil die BKW 1965 oberhalb des Dorfs einen Stausee für ein Wasserkraftwerk gebaut hat. Mit lediglich zwei Gondeln à je 8 Personen braucht die Fahrt zum auf 2034 m.ü.M. gelegenen Lac de Sénin etwas Geduld. Mit den Wolken im Rücken und der Sonne im Gesicht legten wir auf dem Bergwanderweg Richtung Col du Sanetsch los. Die Berglandschaft war atemberaubend, sowohl im übertragenen, als auch im wörtlichen Sinn. Unsere Veteranen kamen schon etwas an ihre Grenzen, hielten aber tapfer mit.

Mit Hilfe von Carlos Schüsslersalz und einer Mitfahrgelegenheit für den Schlussaufstieg schafften alle die auf 2252 m.ü.M. liegende Passhöhe. Der Abstieg zum auf der Walliserseite gelegenen Hotel-Restaurant Sanetsch war dann ein Kinderspiel. Der Duft des auf einem heissen Stein gebratenen Fleisch wirkte auf uns alle wie Doping. Nach 2,5 Stunden war der sportliche Höhepunkt der diesjährigen Reise erreicht. Entsprechend ausgiebig wurde auf das leibliche Wohl der Teilnehmer geachtet. Jene, die sich für das Kanguruh-Steak entschieden haben, wussten offenbar nicht, dass letztmals in den 1950er Jahren im Wallis eine australische Beutelratte gesichtet worden ist. Immerhin hatten sie danach die besttrainierten Kaumuskeln von uns allen. Mit der tollen Aussicht auf die Walliser Bergwelt und dem sich hinter Wolken versteckenden Matterhorn vor der Nase hätten wir es hier noch lange ausgehalten.

40 Stunden Rundreise

Mit dem einzigen, um 17:30 Uhr ins Tal fahrenden Postauto traten wir jedoch die Heimreise an. Die Fahrt ist etwas vom Spektakulärsten, was unsere Alpenpässe bieten. Die extrem engen Kurven, niedrigen, einspurigen Tunnels und das grosse Gefälle – vom Pass bis ins Tal hinunter fast 1800 m – waren ein unvergessliches Erlebnis. Via Visp ging die Reise per Bahn durch den Lötschbergtunnel zurück nach Bern. Mit einem leichten Nachtessen im Speisewagen bis Zürich HB schloss sich nach knapp 40 Stunden der Kreis wieder.

Dank an Carlo und Jürgen von uns (Jügge, Alessio, Andi, Heinz, Martin, Mario, Giorgio) fürs Organisieren. Nächstes Jahr den 23./24. Juni 2018 in der Agenda dick anstreichen. Was dann läuft, wissen nur Andi und ich.

Giorgio

Link zu den Fotos:

https://www.dropbox.com/sh/32eoftikqhn3mu8/AACaIBQINhopbtjukGsXtMEEa?dl=0